Unabhängiges Bildungsangebot zu Geschichte und Ideen der jüdischen Tradition. Dies ist nicht die Website der Moskauer Jüdischen Religionsgemeinde, der Moskauer Choralsynagoge oder einer anderen religiösen Organisation; religiöse Beratung bieten wir nicht an.

Texte und Quellen

Texte und Quellen

Die jüdische Tradition ist in hohem Maß um Texte und ihre Auslegungen herum aufgebaut. Ein Text kommentiert einen anderen, und die Kommentare werden mit der Zeit selbst zum Gegenstand des Studiums. In dieser Rubrik finden Sie einen kurzen Überblick über das wichtigste Korpus, fünf Schritte für die Arbeit mit einer Quelle und einen Hinweis zu Übersetzungen. Vollständige Texte veröffentlichen wir nicht: Nutzen Sie zum Lesen die Ausgaben und Übersetzungen, die in den enzyklopädischen Quellen genannt werden.

Einen traditionellen Text liest man selten allein: Neben ihm steht fast immer die Stimme eines Kommentators. Beide Stimmen hören zu lernen, ist schon die halbe Arbeit.

— Aus der Redaktion

So ist die Rubrik aufgebaut: Beschrieben werden die Texte, auf die in der Literatur über die jüdische Tradition am häufigsten verwiesen wird, sowie allgemeine Verfahren im Umgang mit Quellen. Wir legen die Texte nicht im Namen der Tradition aus und fällen keine religiösen Urteile.

Das Textkorpus

TextWas es istWie man liest
TanachDie Hebräische Bibel in drei Teilen: Tora (Fünf Bücher Mose), Neviim (Propheten), Ketuvim (Schriften)Beginnen Sie mit den erzählenden Büchern der Tora; achten Sie darauf, zu welchem Teil ein Buch gehört
MischnaSammlung der mündlichen Überlieferung, zusammengestellt um 200 n. Chr.; die Redaktion wird mit Rabbi Jehuda ha-Nasi verbundenLesen Sie mit Erläuterungen: Der Text ist sehr knapp und setzt Kenntnis des Kontexts voraus
TalmudSammlung der Erörterungen zur Mischna; der Babylonische Talmud entstand etwa bis zum 5.–6. Jahrhundert n. Chr.Verfolgen Sie den Gang der Diskussion: Wichtig sind nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Argumente der verschiedenen Seiten
MidraschAuslegungen des Bibeltextes – von der Deutung einzelner Wörter bis zu ausführlichen ErzählungenLesen Sie ihn neben dem Bibelvers, auf den sich die Auslegung bezieht
KommentareMittelalterliche und spätere Auslegungen, etwa Raschis Kommentare zu Tora und TalmudLesen Sie zuerst den Text selbst, dann den Kommentar, und notieren Sie, welche Frage er beantwortet

Wie man mit einer Quelle arbeitet

  1. Bestimmen Sie, was vor Ihnen liegt

    Ist es ein Bibeltext, die Mischna, der Talmud, ein Midrasch oder ein Kommentar? Davon hängt ab, wie Sie den Abschnitt lesen und was Sie von ihm erwarten können.

  2. Finden Sie die Epoche

    Klären Sie, wann der Text entstanden ist. Mischna, Talmud und ein mittelalterlicher Kommentar liegen Jahrhunderte auseinander, und das ist für das Verständnis wichtig.

    Die Mischna wurde um 200 n. Chr. zusammengestellt, Raschi lebte von 1040 bis 1105: Dazwischen liegen fast neun Jahrhunderte.

  3. Prüfen Sie die Übersetzung

    Klären Sie, wessen Übersetzung Sie lesen und wann sie entstanden ist. Verschiedene Übersetzungen derselben Stelle können sich deutlich unterscheiden.

  4. Trennen Sie Text und Auslegung

    Markieren Sie, wo die Quelle selbst endet und die Erläuterung des Übersetzers, Kommentators oder Nacherzählers beginnt.

  5. Ziehen Sie Nachschlagewerke heran

    Prüfen Sie Daten, Namen und Begriffe anhand enzyklopädischer Werke. Wenn die Angaben voneinander abweichen, vermerken Sie das, statt aufs Geratewohl zu wählen.

  • Zentrale Begriffe

    Ein Glossar zentraler Begriffe von Aggada bis Schma mit neutralen, sachlichen Erklärungen.

  • Persönlichkeiten

    Historische Persönlichkeiten: Raschi, Maimonides, Baal Schem Tov, Moses Mendelssohn.

  • Analyse

    Methoden im Umgang mit Überlieferungen und Quellen. Hier finden Sie auch den Publikationskatalog.

Quellen

  • Elektronische Jüdische Enzyklopädie (EEE)
  • Encyclopaedia Judaica
  • Lutherbibel 1912
  • Große Russische Enzyklopädie (Bolschaja rossijskaja enziklopedija)

Das Nachschlagewerk stützt sich auf enzyklopädische Werke. Datierungen antiker und mittelalterlicher Ereignisse sind vielfach nur ungefähr, und die Einschätzungen der Forschung können voneinander abweichen – darauf weisen wir im Text hin.